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Hashtag Werther

27.05.2018

Vorstellung für die fünften bis siebten Klassen in der Spinnerei Traun

„Ein Junge liebt ein Mädchen, die hat einen andren erwählt. Der andre liebt eine andre und hat sich mit dieser vermählt. Das ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie ewig neu und wem sie just passieret, dem bricht das Herz entzwei“, schrieb Heinrich Heine.

Goethe schrieb „Werther“, jenen Briefroman, der die LeserInnenschaft so sehr berührte, dass es zu Nachahmungsselbstmorden. Tod aus unerwiderter oder unlebbarer Liebe kam.

Schnee von gestern, ätzen SchülerInnen da gerne. Unglaubliches Gesülze, meinen andere, wenn sie das erste Mal mit diesem Text aus dem 18. Jahrhundert konfrontiert werden.

Einen Briefroman auf die Bühne zu stellen, ist eine Herausforderung. Daraus faktisch ein Ein-Personen-Stück zu machen, die nächste. Den Text in Goethes Sprache zu belassen und das Ganze mit den Heiligen der Jugendlichen, Facebook und Smartphone in Text und Bild, zu kombinieren, ist mutig, riskant und definitiv eine Hürde. Kann man sie bewältigen?

Man vielleicht nicht. Josef Ellers in der Regie von Helena Scheuba (Theater Bronski & Grünberg, 1090 Wien, Müllnergasse 2) kann.

Und dann ist das Alte nicht mehr alt, war es auch nie, wird es nie sein, denn auf der Bühne stehen die zeitlosen Grundgefühle aller Menschen, hier das Lieben, das Geliebt-Werden-Wollen, die nicht zu lebende oder nicht gelebte Liebe und das Gefühl der Ausweglosigkeit oder wie Erich Fried dies im 20. Jahrhundert beschreibt:

Ohne dich- nicht nichts, aber nicht mehr viel.

Danke den SchülerInnen fürs Sich-Einlassen auf Unbekanntes abseits des Mainstreams, danke dem D-Lehrenden-Team und der Spinnerei Traun!

Ute Bauer